Nähen 1×1: Wie ich kam, sah uuund scheiterte

Ich dachte mir, jetzt, wo das Masterstudium durch ist und ich endlich mal wieder diese ominöse Freizeit habe, von der alle reden, wollte ich mich auch etwas Neuem widmen. Nun habe ich die Zeit dazu und muss ja irgendwie auch die Lücke des Nebenbei-Studiums füllen. Dem Mann kann ich ja nicht dauernd auf der Pelle rücken. Auch der Kater ist schon vollkommen genervt von mir, weil ich mich, seiner Reaktion nach zu urteilen, zu viel mit ihm beschäftige. Lange habe ich schon davon geredet zu nähen und auch auf meiner Bucket List namens „Das Leben danach“ steht dieser Punkt weit oben. Spätestens, als ich eine Nähmaschine geschenkt bekommen habe, war klar, dass ich aus der Nummer nicht mehr rauskomme 😀

Bisher hat die liebe Claudia immer genäht. Das war auch gut so, denn sie kann das richtig gut. Ich kann bisher nicht mit Erfahrung oder fertigen Ergebnissen glänzen. Aber: Aller Anfang ist bekanntlich schwer und das kann ich ja auch nicht einfach so auf mir sitzen lassen. Also ran an die Maschine, gute Musik anschmeißen, Stoffreste her und los geht’s.

Sneak Peek

Die Nähmaschine als erster Endgegner

Eigentlich wollte ich erst einen schönen Nähkurs mitmachen, langsam an das Thema rangehen und dann nach und nach dazulernen. Aufgrund der aktuellen Maßnahmen rund um COVID-19 ist das nun aber nicht möglich, da sämtliche Näh- und DIY-Läden geschlossen haben. Aber es nähen ja so viele Leute, es gibt unzählige Blogs und noch mehr Social Media Posts zu dem Thema. So schwer kann das doch nicht sein, oder? Genau das dachte ich mir – hochmütig, wie ich da noch war – und habe die Maschine auf dem Tisch ausgepackt, während die passende Playlist bereits ihr Bestes gab. Motiviert von der Musik und der Idee, dass nähen ja so einfach sei, saß ich nun vor der Maschine und kam direkt ins Stocken… Wie benutzt man das Ding eigentlich? Wie fange ich denn damit an? Wo soll jetzt noch mal der Faden rein? Ähm, also ich bräuchte da mal eben die Betriebsanweisung, … bitte? Die tolle Anleitung lag leider in einem der Kartons, die vom Umzug noch unausgepackt im Keller standen. Brauche ich ja nicht, dachte ich. Na gut, wir lassen uns ja nicht unterkriegen – man bekommt ja heutzutage schließlich auch alles online. Also Maschine inspizieren, Seriennummer notierten und Google danach fragen.

Anleitung online gefunden – Yes, ein Erfolgserlebnis! – und direkt wieder ran an den Braten. OK, der Faden da oben soll da durch und dann da rum und hier hin – danke an dem Punkt für die Nummerierung, lieber Hersteller 😀 Super, zweites Erfolgserlebnis: der Oberfaden ist eingefädelt! Auch der Unterfaden (ach, den gibt es ja auch noch – logisch! – wusste ich natürlich) war dann mithilfe der Anleitung relativ schnell an Ort und Stelle. So, nun den einen Faden nach hinten und langsam auf das Pedal drücken, um den Unterfaden hochzuholen. Das klappt irgendwie erst beim dritten Versuch, aber immerhin. So weit, so gut.

Nach der ersten Ernüchterung ging es nun endlich „so richtig“ los. OK, cool – was nähen wir denn jetzt eigentlich? Ich habe eine gute Menge verschiedenster Stoffreste und aussortierter Klamotten. Auch wenn ich keinerlei Näherfahrung habe, weiß ich, dass ich nicht jeden Stoff für alles nehmen kann. Fangen wir also lieber erst einmal klein an mit einem festen Baumwollstoff und einem kleinen Täschchen für irgendwelche Utensilien, oder so. Das sollte doch kinderleicht sein, oder?

Startschuss: Nun aber ran an den Stoff

Vor ein paar Tagen hatte ich online ein kleines Täschchen gefunden, das einmal in Einzelteilen und einmal fertig zusammengenäht fotografiert einen guten Eindruck machte. Reicht doch als Vorlage, oder? Spoiler Nr. 1: An diesem Punkt war mir irgendwie noch nicht ganz klar, dass ein Schnittmuster und ggf. eine Anleitung ganz praktisch wären…

Weiter im Text: Die besagten Stoffreste waren ja schon dafür vorhanden, sodass das erst einmal reichen sollte. Bügelvlies, Schneidematte und Rollmesser hatte ich mir ebenfalls bereits zugelegt, als ich mich während meiner Masterarbeit ablenken wollte (pfui, Prokrastination) und schon total motiviert in den Bastelbedarf um die Ecke gestratzt bin. Alles da, also kann es jetzt endlich losgehen, oder? Hochmotiviert – also so richtig – habe ich den Stoff und das Bügelvlies auf der Schneidematte zugeschnitten. Das war, trotz Rollmesser, gar nicht so easy, da beim Schneiden gerade zu bleiben offensichtlich keine meiner Stärken ist. Es wurde also ein wenig schief, aber aaaaach, ist ja nicht dramatisch. Spoiler Nr. 2: Doch, schon ein wenig ungünstig an der Stelle, da die Rechnung nachher nur so semi-gut aufgeht. Aber später mehr davon.

Hier der bereits zugeschnittene Stoff, inkl. Bügelvlies. Und ja, an dieser Stelle sieht man schon sehr schön, dass beide nicht deckungsgleich sind – wie gesagt: unsauber zuschneiden ist eher semi-gut 😀

Davon lasse ich mich aber an der Stelle noch nicht so aus der Ruhe bringen, da ich einfach so happy bin, dass nach dem Schneiden alles so aussieht, wie auf dem Foto – für meine Vorstellung erst einmal gut genug. Auch das Bügelvlies ist schnell aufgebügelt. Während das Ganze abkühlt, mache ich mir erst einmal einen Kaffee – so viel Zeit muss sein. Dann geht’s aber auch ran an das Täschchen-to-be. Zuerst einmal habe ich beide Teile – die verstärkte und unverstärkte Seite – aufeinander gelegt und mit Klammern befestigt. Da fiel leider dann auch auf, dass die „leichten“ Abweichungen beim Schneiden nun irgendwie doch blöd waren, da beide Teile nicht so ganz deckungsgleich sind. Aber egal, ein bisschen hier und da zurechtschnippeln, damit es wieder einigermaßen passt. Dann habe ich beide Teile erst einmal jeweils an der obersten Kante zugenäht (siehe unten, Bild A), damit beide Stofflagen miteinander verbunden sind. Spoiler Nr. 3: Völlig überflüssig an der Stelle, wie ich später festgestellt habe. Aber who cares – geschadet hat es auch nicht 😀

Weiter geht’s. Da ich ja, wie oben bereits geschrieben, keine Nähanleitung hatte, musste ich mir als mithilfe von „logischen Schlussfolgerungen“ erschließen, wie es nun weiter geht. Hier fiel mir dann auch auf, dass eine Anleitung ganz cool gewesen wäre und ich mir für mein erstes Meisterwerk vielleicht eine idiotensichere Variante hätte aussuchen sollen. Aber nun gibt es kein zurück mehr und davon lasse ich mich nun auf halber Strecke auch nicht unterkriegen. Obwohl ich Näh-Anfänger bin, wusste ich, dass man so etwas ja immer auf links gedreht zusammennäht – wie sonst soll man auch an die Nähte kommen?! Also habe ich den Stoff in der Mitte gefaltet (siehe unten, Bild B) und die Seiten zusammengenäht. Dabei gerade zu nähen und ungefähr denselben Abstand beizubehalten war gar nicht so einfach. Man könnte meinen, dass das kinderleicht wäre, aber da muss ich euch enttäuschen: Für jemanden wie mich, der noch NIE genäht hat und offensichtlich dafür kein angeborenes Talent hat, war das echt eine Herausforderung. An dieser Stelle ist mir erneut die fehlende Genauigkeit beim Schneiden aufgefallen, da beide Rechtecke nun nicht mehr passgenau aufeinandergenäht werden konnten 😀 Schwund ist ja bekanntlich überall, also einfach weitermachen und nicht von „Kleinigkeiten“ aufhalten lassen. Perfekt will ja eh keiner, nicht wahr? 😉

Bild A
Bild B
Bild C

Auch diesen Step hatte ich dann irgendwann mehr oder weniger zufrieden hinter mich gebracht, sodass das Ganze langsam Form angenommen hat. Endlich! Da das Täschchen Ähnlichkeiten mit einer Geschenkpackung haben soll, fehlten nun nur noch die Seiten des Bodens, die eingedrückt vernäht werden mussten (siehe Bild C). Gesagt, getan. Ich habe also die Seiten aufeinander gedrückt und hier versucht, die Ungenauigkeiten irgendwie von vorher auszugleichen. Das ging sogar einigermaßen, sodass ich mit neuem Schwung weitergenäht habe.

Und dann war es endlich soweit: mit freudiger Erwartung habe ich zum ersten Mal das Täschchen auf rechts gedreht und mir den Prototypen meiner baldigen Näh-Karriere angeschaut. Für den Anfang und trotz der Patzer gar nicht mal so übel. Ich war förmlich von mir selbst überrascht, ehrlich 😀 Der Selbstkritiker in mir hat jedoch instant etwas zu meckern. Die obersten Ränder, die ich am Anfang völlig sinnbefreit zusammengenäht hatte, sahen nun natürlich blöd aus, weil ich die falsche Naht gewählt und diese nicht versäubert habe. Es lösten sich jetzt bereits die ersten Fäden und da die Nähte an der Öffnung der Tasche waren, würden weitere folgen… Nun hatte mich irgendwie auch der Ehrgeiz gepackt, denn schließlich sollte es ja vorzeigbar sein. Ok, also schnell noch mal das Ding auf links gedreht, den obersten Rand für ein paar Millimeter umgeklappt und mit der (hoffentlich) richtigen Naht, die in der Anleitung dafür ausgeschrieben war, versäubert. Was mich ebenfalls gestört hatte, war, dass die nach innen geklappten Falten an den Seiten, wie sie in der Vorlage waren, bei mir immer wieder nach draußen geploppt sind und das Täschchen bei mir dann aussah, als wolle es gleich losfliegen. Um das ein wenig zu beheben, habe ich etwas gecheatet und an der Öffnung der Tasche links und rechts jeweils eine 2 cm lange, senkrechte Naht gesetzt. Dass das die Öffnung später kleiner macht, war mir da noch nicht ganz klar, aber so waren immerhin die Flügelchen weg. Alles wieder auf rechts gedreht und voilà – nicht schön, aber definitiv selten.

Nun geht es auch schon – kaum zu glauben – an das Finale. Das Täschchen braucht ja schließlich noch einen Verschluss 🙂 Zugegeben, soweit habe ich vorm Nähen noch nicht gedacht, aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. Improvisieren kann ich ja scheinbar, also wird mir schon etwas einfallen. Auf so ein fancy Klick-System, wie auf dem Foto der Vorlage, hatte ich keine Lust (und auch kein Material, vom Können mal ganz ab). Erst dachte ich „Druckknöpfe, tolle Idee“. Nachdem ich sie händisch drangenäht habe, dachte ich aber „Dumme Idee, sieht blöd aus“. Also alle Fäden wieder lösen und noch mal nachdenken. Dann kam mir die Idee: ein Gummiband als Schlaufe und ein Knopf – perfekt! Das Material hatte ich schnell gefunden und die beiden Dinge waren auch zügig befestigt. FERTIG! ❤

Hier das fertige Ergebnis im Video:

Das Täschchen – getreu dem Motto „Perfekt Unperfekt“ 😉

Kurzer Recap: Meine 3 Learnings

Damit ihr hier nicht leer ausgeht und meine Fehler vielleicht vermeiden könnt, habe ich euch in aller Kürze 3 Learnings zusammengefasst:

  1. Einfach Stoff hinlegen und loslegen ist nicht ganz so realistisch. Plant also vorab etwas Zeit ein, um euch mit eurer Nähmaschine vertraut zu machen. So erspart ihr euch vorab viel Zeit, Mühe, mögliche Anflüge von Frustration und ggf. Materialschäden an der Maschine (bspw. eine abgebrochene Nadel oder so).
  2. Als blutiger Anfänger, wie ich es bin, ist – so öde es klingt – eine Nähanleitung mit Schnittmuster definitiv sinnvoll. Klar, so kommt der Spaß, wenn man über sich selbst lachen kann, nicht zu kurz, aber es würde eben auch einfacher zum Erfolg führen.
  3. Augenmaß ist zwar mein bester Freund, jedoch nicht der Beste für ein Nähvorhaben. Nehmt euch ein Lineal aus Metall/ Holz und ein Geodreieck als Hilfsmittel, um das Schnittmuster passend auf den Stoff zu übertragen. Glaubt mir, im Laufe des Nähens wird sich dieser Schritt definitiv bezahlt machen.

Mein Ziel ist es – wie bei vielen, vermute ich – für mich selbst irgendwann Kleidung und Taschen nähen zu können. Daher werde ich mir bestimmt – sobald die Pandemie es zulässt – mal einen Nähkurs gönnen. Ich habe mit Sicherheit noch nicht einmal annähernd auf dem Schirm, was meine Maschine so kann und bei mir gibt es da auf jeden Fall noch sehr viel Luft nach oben was meine Näh-Skills betrifft. Man lernt nie aus und es wäre ja gelacht, wenn ich nicht irgendwann wenigstens ein Kleidungsstück hinbekomme, oder?

Lasst mir gerne einen Kommentar da, wenn ihr mit mir mitfühlen konntet, Tipps habt oder sogar Wünsche, an was ich mich für euch versuchen soll 🙂

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