Burlesque-Workshop im Movenyo

Ich habe meine Bestimmung gefunden. Letzten Samstag war ich das erste Mal im Movenyo, einem, ich sag mal Bewegungsstudio, in der Nordstadt. Im Movenyo kann man in wöchentlichen Kursen yogieren, auf Trampolins (Trampolinen?) rumspringen und vor allem tanzen. Und das alles ohne Druck. „Komm wie du bist, mit dem was du hast und mach was du kannst“, lautet der Leitspruch von Movenyo. Das klingt vielleicht erstmal nach Masche, wird dort aber genau so gelebt. Genaus so! Aber dazu später mehr.

Das ist Burlesque

Am Wochenende finden regelmäßig Workshops zu speziellen Tänzen statt: Orientalischer Tanz, Lapdance, Hula – und eben auch Burlesque. Wer jetzt gleich an Dita van Teese, riesige Sektgläser und Nippelquasten denkt, sei beruhigt. Damit hat der Burlesque-Workshop im Movenyo wirklich nichts zu tun.


„Bon Ton Burlesquers 365 days ahead of them all.“ Color lithograph. By H.C. Miner Litho. Co. (Library of Congress), via Wikimedia Commons

Obwohl das kunstvolle Ausziehen natürlich auch zum Burlesque gehört, war das nicht der Fokus des Workshops. Es ging viel mehr darum einfach ein bisschen Frau zu sein. Spielerisch sinnlich sein, „Find your inner Pinup Goddess“ und so – darum ging es. Und das hat die gute Stephie von Movenyo wirklich voll raus. Ich mag das Wort zwar nicht, aber Stephie ist eine Powerfrau. So viel Energie in einer einzigen Person – beeindruckend! Und wie sie sich bewegen kann… Sie ist absolut mitreißend! Wenn Sie loslegt und anfängt mit den Augen zu klimpern und zu posen, bekommt man direkt Lust mitzumachen. Sie lässt jede einzelne Bewegung so einfach und selbstverständlich aussehen, dass es einfach nur Spaß macht ihr zuzusehen. Und es nimmt einem auch die Scheu. Wobei ich sagen muss, dass die Gruppe so dermaßen entspannt war, dass es von Anfang an keinen „öh, das ist mir jetzt aber irgendwie unangenehm“-Moment gegeben hat. Und das hat eben auch sehr viel mit Stephie zu tun. Coole Frau!

Der Burlesque-Workshop

Als erstes wird dekorativ stehen geübt. Gar nicht so einfach, wie es klingt. Man merke: der Bauer steht mit beiden Beinen auf dem Boden, die Pinup-Göttin balanciert ihr Gewicht kunstvoll auf eine Seite um Kurven zu erzeugen, auch wo der Bauer sonst vielleicht keine hätte. Die zweite Stufe ist hübsches laufen. Viel Hüfte, Po und Drama, Drama, Drama. Wer schon immer mal stundenlang vor einem riesigen Spiegel auf und ab stolzieren wollte, ist hier genau richtig. So ein Spaß! Und dann die Arme. Dabei sind wir immer deutlich drüber. Jede Bewegung wird übertrieben und größer als es sich „normal“ wäre. Und ich bin da einfach voll in meinem Element. Als erklärte Freundin des gepflegten Abspackens fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser. Peinlich oder unangenehm kenne ich sowieso nicht. Und ich bin auch einfach echt gerne Frau. wimpernklimpern, sich räkeln und kokettieren – genau mein Ding. Aber auch wem der Blick nicht von Natur aus lasziv über die Schulter streift, wird nach dem Burlesque-Workshop bei Stephie ein bisschen mädchenhafter über die Straße tänzeln. Den größten Teil der Zeit verwenden wir darauf eine kleine Choreographie zu Pink Panther zu üben – und was soll ich sagen? Wir sahen so zauberhaft aus. Lauter kleine Elfen hat die gute Stephie gezaubert. Ein Video gab es am Ende auch, aber nur für uns!

Salon Noir – Burlesqueshow zum Firebirds Festival 2015 Stage Kitten By CaptainMary (Own work) [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

So viele tolle Frauen

Ich gehöre ja eigentlich auch zu den Frauen, die sich in großen Frauengruppen eher unwohl fühlen. Wenn Frauen zusammen kommen, bricht schnell so ein bescheuertes Konkurrenzding aus. Dann geht es auf einmal darum, wer die beste darin ist, eine Frau zu sein: „Also ich hab mein Leben voll im Griff. Ich stehe schon gestylt auf, meine Wohnung sieht aus, wie im Magazin und von der halben Tomate gestern Mittag bin ich immer noch satt.“ Ich HASSE das. Ich weigere mich perfekt zu sein. Ich will mich nicht vor wildfremden Frauen produzieren müssen um mir selbst zu beweisen, wie rund es bei mir läuft. Tut es nämlich nicht. Und das war der Spirit im Workshop. Ein Safeplace um einfach mal alles rauszulassen, sich auszuprobieren und nur man selbst zu sein. So viele verschiedene Frauen und so viele verschiedene Motivationen. Von klang-irgendwie-lustig über ich-möchte-mich-nach-der-Schwangerschaft-wieder-weiblich-fühlen bis hin zu -2018-ist-mein-Jahr-der-Grenzerfahrungen war einfach alles dabei. Ein Raum voll geballter Weiblichkeit, die einfach nur gut tat. „Komm wie du bist, mit dem was du hast und mach was du kannst“. Was Stephie sich mit Movenyo auf die Fahnen (bzw. die Tür) geschrieben hat, habe ich genau so im Workshop erlebt. Einfach nur großartig!

Ich bin nach Hause gefahren mit einem Gefühl von Female Empowerment. Ich habe mich schön und stark und gefühlt – und das in völlig verschwitzt und in meiner verbeultesten Yogabuxe. Und vor allem hatte ich das Gefühl meine Bestimmung gefunden zu haben. Ich kündige meinen Job und mache jetzt nur noch Burlesque… Habe ich natürlich nicht gemacht. Aber wenn ich ab jetzt irgendwie das Pink Panther Theme höre, werde ich immer an diesen wundervollen Workshop mit diesen wundervollen Frauen und der wundervollen Stephie denken. Ich freue mich schon auf den nächsten Termin!

 

 

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