DIY-Kunst: Herbstmalerei mit Acryl

Wenn ich durch die Hannoveraner Altstadt schlendere, bleibe ich gerne bei den kleinen Galerien stehen und schaue mir die tollen Kunstwerke an. Die Farben und die Bildkraft bannen mich manchmal regelrecht – viele Werke sind einfach atemberaubend, aber leider auch atemberaubend teuer. Da ich selbst bereits einige Jahre mit Acryl auf Leinwand male, schaue ich mir die Bilder gerne an, um mir neue Ideen zu holen. Auch online über Pinterest oder andere Plattformen kann man sich sehr gut inspirieren lassen, um DAS Motiv zu finden. So bin ich neulich – bei der Terminauswahl für unser Colors & Vino Date – auf ein herbstliches Motiv gestoßen, das ich unbedingt ausprobieren wollte (dazu unten mehr 😉 ).

 

Good to know! – Arbeiten in Ebenen

Foto 01.11.17, 17 04 31

Beim betrachten von Motiven, die einem gefallen, ist der Bildaufbau entscheidend. Klar, wenn ich mir ein Bild anschaue, sehe ich es zweidimensional (Farbe auf Untergrund). Nun besteht das Bild aber aus mehreren Ebenen, die sog. Layer, wie beispielsweise dem Vordergrund und Hintergrund.

Beim Malen mit Acryl ist es sehr wichtig, sich „von hinten nach vorne“ zu arbeiten, da Acrylfarbe sehr deckend ist und wir nur schwer den Hintergrund im Nachhinein erarbeiten können. Ich trage also zuerst den Hintergrund auf und arbeite ich mich dann bis zur vordersten Ebene durch das Motiv bis zum fertigen Kunstwerk!

Um das Arbeiten in Ebenen praktisch zu veranschaulichen, habe ich mich am Wochenende endlich mal wieder vor die Staffelei gesetzt. Da es draußen ziemlich geschüttet hat, konnten die äußeren Umstände nicht viel besser sein – wann würde das Malen mehr Spaß machen, als an einem regnerischen Tag mit einer heißen Schokolade bewaffnet vor der Staffelei zu sitzen? 🙂

Das perfekte Motiv

Wie oben erwähnt, bin ich auf der Website von Colors & Vino auf ein nettes Herbstmotiv (siehe Bild oben)  gestoßen, das mich direkt angesprochen hat. Das Bild passt perfekt zur Jahreszeit und ist zu Veranschaulichung super geeignet.

Ich fange also zuerst mit dem in grau-weiß gehaltenen Hintergrund an. Laut Vorlage ist der obere und untere Teil des Bildes in einer mittleren Graustufe gehalten und etwas oberhalb der horizontalen Bildmitte  in einer hellen Graustufe bis zum weiß. Da ich auf dieser Ebene großflächig arbeite, nehme ich dafür auch einen 6 cm breiten Synthetikpinsel (2.5″). Die Wahl des Pinsels richtet sich unter anderem nach dem Motiv, den persönlichen Präferenzen sowie der Bildfläche. Bei Motiven mit sichtbarer Struktur – beispielsweise einem Baumstamm – kann man daher besser einen Borstenpinsel wählen.

Nach dem Mischen des Grautons trage ich also die Farbe immer von links nach rechts und andersherum auf die Leinwand auf. Zur heller werdenden Mitte hin nehme ich etwas Wasser hinzu, damit der Farbauftrag lasierender, also dünner, wird. Schließlich gebe ich noch etwas weiße Acrylfarbe auf den Pinsel und arbeite die horizontale Linie aus. Nun darf die Farbe etwas trocknen und ich meine Hände schrubben 😉

HerbstAcryl2

Die nächste Ebene stellt dann der Ast dar, der von der rechten oberen Bildecke in das Bild hineinragt und die obere Bildhälfte einnimmt. Da später noch das herbstliche Blattwerk hinzukommt, kann dieser eher schlicht und in reinem schwarz gemalt werden. Tipp: ich drehe dazu das Bild auf den Kopf, um entspannt als Rechtshänder die Äste von links nach rechts dünner werdend malen zu können. Ich nehme dazu einen schmalen Pinsel, damit die Äste nicht zu dick werden und ich nachbessern kann. Nun darf die Farbe etwas trocken, also ist nun erst einmal Kaffeepause 🙂

 

Nun wird es bunt…

… und zwar nicht zu knapp! Da es sich um ein herbstliches Motiv handelt, kommen nun die tollen Gelb-, Orange- und Rottöne der Blätter in Spiel. Dazu gebe ich etwas gelbe und rote Acrylfarbe auf eine Holzpalette, die ich sowohl in unvermischt, als auch zum Mischen nutze.

Zuerst nehme ich dazu einen schmalen Borstenpinsel und tupfe Ebene für Ebene – von gelb über orange hin zum rot – das Blattwerk auf die Leinwand. Nun ist es tatsächlich wichtig, dass ihr keinen Synthetikpinsel nutzt, da die Blätter mit einer „Tupftechnik“ aufgetragen werden, die mit dem Borstenpinsel am besten funktioniert. Ich beginne mit den gelben Blättern, die sich oberen Teil jedes Astes befinden. Habe ich jeden Ast mit einer gelben Blattreihe bestückt, nehme ich etwas rot auf und gehe damit unterhalb der gelben Blätter in die noch nasse Farbe und Orange entsteht. So arbeite ich mich bei jedem Ast nach unten, bis ganz unten die roten Blätter eine Reihe bilden. Nun gebe ich der restlichen roten Farbe auf der Palette einen Klecks schwarze Farbe hinzu, um die unterste Ebene der Blätter aufzutragen.

Herbstacryl1

Es fehlen jetzt nur noch die herabfallenden Blätter, die ihr nach Lust und Laune platzieren könnt. Auch die bereits auf dem Wasser liegenden Blätter könnt ihr zunächst einmal nach einem ähnlichem Prinzip wie beim hängenden Blattwerk auf das Wasser tupfen. Seid ihr damit zufrieden, werden diese nun mit einem nassen Küchentuch vorsichtig verwischt, damit sie aussehen wie aufgeweicht.

 

Die „Special Effects“ des Wassers

Schlussendlich sollen die Blätter ja realistisch wirken und man soll erkennen, dass sie auf einer Wasseroberfläche landen. Vom jetzigen Stand wird das so noch nicht deutlich, weshalb die weiße Farbe noch einmal ihren Auftritt hat.

Ich nehme daher die weiße Farbe mit etwas Wasser verdünnt auf einen schmalen Synthetikpinsel auf und male vorsichtig die kleinen Wellenbewegungen des Wasser von den auftreffenden Blättern. Hier müsst ihr keiner Vorlage folgen, sondern einfach schauen, wo es optisch für euch passend und ansprechend ist.

Ist das auch geschafft, darf noch etwas weiße Farbe – diesmal stark mit Wasser verdünnt – ebenfalls mit einem feuchten Küchentuch horizontal auf der Leinwand aufgetragen werden, um optisch den Anschein einer Wasseroberfläche zu erzeugen. Gerne kann man hier auch etwas in die schwimmenden Blätter wischen, falls die Farbe noch nicht getrocknet ist (Vorsicht: hier nicht die Wellenbewegungen verwischen).

Das Kunstwerk muss nun nur noch mit euren Initialen und dem Datum in einer der unteren Ecken versehen werden und dann heißt es nur noch: Voilà, wir haben fertig! 😉

 

 

von Juliane
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