4. Schokoladen-Gourmet-Festival in Hannover

Ich kenne niemanden, der keine Schokolade mag. Oder ohne doppelte Verneinung: jeder mag Schokolade. Dabei gibt es mindestens so viel verschiedene Sorten, wie es Geschmäcker gibt. Passend dazu hat am Wochenende hat in Hannover das 4. Schokoladen-Gourmet-Festival stattgefunden. Organisiert wird das Ganze von Chocolats de luxe, einem (Online)-Schokoladenvertrieb mit Sitz (und Ladenverkauf) in Hannover. Hier werden aber nicht nur irgendwelche Schokoladen verkauft, sondern ausschließlich die besten Schokoladen der Welt. Ausgesucht werden die Produkte höchster Qualität, gerne mit Auszeichnung, von der Chefin Michaela Schupp. Auf der Seite erfährt man zu ihr folgendes: „Michaela Schupp, die deutsche Schokoladen-Som­me­li­è­re gibt die objektive Liste der besten Schokoladen der Welt heraus. Sie ist u.a. „Grand Juror“ der „International Chocolate Awards“ und prüft Jahr für Jahr die deutsche, europäische und weltweite Schokoladenlandschaft. Die besten Schokoladen der Welt finden dann den Weg in die SCHUPP LISTE, dem wichtigsten Schokoführer Deutschlands und Europas.“ Das ist auf jeden Fall ziemlich beeindruckend und verspricht so einiges. Was mir besonder gefällt, ist, dass bei der Auswahl der Chocolatiers darauf Wert gelegt wird, dass die Schokolade von Bean-to-Bar direkt über die Hersteller erzeugt wird. D.h., dass die gesamte Herstellung, vom Anbau der Kakaobohnen bis zur Herstellung der Schokoladentafel, in der Kontrolle der Hersteller liegt. Keine Kinderarbeit und (hoffentlich) faire Preise.

Die Location

Die Verkaufsräume des Chocolats-de-luxe liegen im Helmkehof, einem alten Fabrikgelände im Norden von Hannover. Hier findet man u.a. auch noch eine Krökelbar (in Hannover heißt Kickern Kröckeln. Ich hasse dieses Wort!), die Kunstfabrik und die Kaffeeschule Hannover. Hervorragende Gesellschaft also. Die Location an sich ist schon sehr nett und passt zum aktuell immer noch beliebten Industrial-Trend. Schick! An diesem Wochenende bietet der gesamte Helmkehof 30 hoch dekorierten Chocolatiers aus aller Welt die Möglichkeit ihre Produkte vorzustellen (und uns die Möglichkeit zu kosten 🙂 ).

Die Chocolatiers

Wenn ich davon ausgehe, dass die anwesenden Chocolatiers eine guter Maßstab für den Rest der High-End Schokoladenwelt waren, dann sind Chocolatiers ein wirklich ausgesprochen freundliches Völkchen. Ist ja auch klar. Die dürfen bestimmt den ganzen Tag Schokolade essen, das macht eben glücklich 😉. Ausnahmslos jeder mit dem wir gesprochen haben war sehr nett und mitteilsam. Wir haben am diesem Tag eine Menge gelernt und erfahren und durften sogar unsere Restauranttipps loswerden. Ein paar Begegnungen sind aber in besonderer Erinnerung geblieben. Da wäre z.B. Krak ein niederländischer Anbieter um den sehr sympathischen Mark Schimmel, der auf Schokoladen aus ungewöhnlichen Anbaugebieten spezialisiert ist (Webseite auf niederländisch, mit etwas Fantasie kann man es trotzdem lesen). Wir haben Schokolade mit ausgesprochen fruchtiger Note aus Vietnam probiert (lecker!) Und Schokolade aus Papua Neu Guinea mit rauchiger Note – der Whiskey unter den Schokoladen (nicht ganz so lecker). Muss man mögen. Das Tolle ist aber, dass und Mark Schimmel nicht nur probieren lässt, sondern auch erklärt, wo der Geschmack her kommt. Da es in Papua so nass ist, kann man die Kakaobohnen nicht normal trocknen lassen, sondern sie werden geräuchert. Und das schmeckt man am Ende auch noch in der Schokolade. Wieder was gelernt.

Dann natürlich die bezaubernde Nensi Gegelija aus Litauen von Chocolate Naive mit den ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen. Schokolade mit Tahini, Bienenpollen oder ganz schnöde mit einer Gewürzmischung. Und natürlich die Steinpilz-Schokolade. So ungewöhnlich, aber so lecker. Wie Wald im Mund. Ich habe schon Pläne für ein Risotto mit Steinpilz und Schokolade. Mal sehen. Außerdem waren die Verpackungen so schön, da kann man einfach nicht dran vorbei gehen.

Persönlich beeindruckt hat mich außerdem Friis-Holm von der gleichnamigen Manufaktur aus Dänemark. Er hat mit großer Leidenschaft von seinem Handwerk erzählt, sehr mitreißend. Mikkel Friis-Holm liegt eine kontrollierte Produktion ausgewählter Bohnen am Herzen, nach dem Motto Klasse statt Masse. Ich nehme ihm das ab und bin danach selbst ein bisschen euphorisch. Bei so viel Liebe für seinen Beruf überrascht es nicht, dass seine Schokoladen hoch dekoriert mit Preisen sind.

Aber es gab natürlich nicht nur Schokolade, sondern auch andere Kleinigkeiten. Kuchen in Dosen, Baumkuchen, der direkt vor Ort hergestellt wurde, Pralinen in verschiedenster Form und natürlich Schokolade, Schokolade, Schokolade.

Wahl der besten Trinkschokolade

Darauf habe ich mich sehr gefreut. Was gibt es schöneres als im Herbst-Regenwetter eingekuschelt auf dem Sofa ein Buch zu lesen? Ich habde das Gefühl, dass das dieses Jahr nicht zu kurz kommen wird. Dazu gehört einfach eine heiße Schokolade. Zur Wahl standen drei verschiedene Trinkschokoladen, die blind vertestet wurden. Was soll ich sagen? Doll war es nicht. 2x braunes Wasser mit leicht bitterem Geschmack und einmal eine Variante, die stark milchig schmeckte (Sojamilch?), aber eben kaum nach Schokolade. Ganz eigenartige Auswahl. Vielleicht sollen Trinkschokoladen in der Welt der Edel-Chocolatiers ja so schmecken. Für mich ist die prefekte Milchschokolade cremig, auf jeden Fall mit Milch, etwas süß und schmeckt vor allem nach Schokolade, egal ob weiß, hell oder dunkel. Von den Trinkschokoladen, die zur Wahl standen erfüllte keine einizige diese Kriterien. Bei uns sind die leider allesamt komplett durchgefallen. Schade!

Tasting Schokolade und Wein

Am Rand des Festivals gab es neben Vorträgen auch die Möglichkeit an Workshops oder Tastings teilzunehmen. Wir haben uns für die Variante Wein und Schokolade entschieden. Schokolade und Wein? Da bin ich doch sofort dabei. Als wir im Veranstaltungsraum angekommen sind, gab es allerdings schon die erste Ernüchterung. Aufgebaut in der Turnhalle standen einfach Stuhlreihen. Sind wir hier überhaupt richtig? Sieht aus, als ob hier die Vorträge statt finden? Doch, doch das ist hier. Okay… mal sehen wie das wird. Vor den Stuhlreihen aufgebaut standen in einer Art Buffett Wein, Gläser und Schokolade aufgebaut. Geleitet wurde das Tasting von der Cheforganisatorin Michaela Schupp und Biagio Tropeano, einem Gastwirt aus Hannover und – wie er selbst  erwähnt – der erste Sommelier Deutschlands. Okaaay, das finde ich jetzt irgendwie seltsam, dass man sich selbst so vorstellt. Ich war noch auf keiner Fachtagung/Vortrag/Meeting auf der man sich selbst mit den Worten „Ich bin der erste irgendwas“ vorgestellt hat. Um es nett zu sagen: insgesamt wirken die beiden so, als ob sie sehr stolz auf ihre Erfolge sind und damit auch nicht hinter dem Berg halten. Für mich jedenfalls sehen Sympathieträger anders aus… Aber es geht ja zum Glück um die Schokolade und den dazu ausgesuchten Wein (oder anders herum, abhängig vom eigenen Schwerpunkt ;-)).  Das läuft so: es wird mit Gläsern rumgegangen, dazu wird auf einem Pappteller die Schokolade rumgereicht und man nimmt sich ein Stück, das dann auf dem Knie oder er Tasche balanciert wird. Ab der 2. Runde wird mit der neuen Flasche rumgegangen und die Gläser neu befüllt. Was nett ist, der Wein wird bei Bedarf gerne nachgeschenkt und Schokolade gibt es auch zur Genüge. Auch was die beiden zu Wein und Schokolade und der Kombination zu sagen haben, ist interessant. Wenn man es denn verstehen könnte. Durch die große Anzahl an Menschen im Raum ist es natürlich entsprechend unruhig und ab Stuhlreihe 5 versteht man besonders Frau Schupp nur noch schwer. Ein Mirkrofon hätte hier sicher geholfen. Die Auswahl insgesamt würde ich insgesamt als gelungen bezeichnen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, war sicher für jeden Geschmack mindestens eine Kombination dabei. Auch wenn mir nicht jeden Wein mochte, fand ich interessant, dass sich das Geschmackserlebnis in der Kombination mit der Schokolade teilweise ganz anders darstellte. Ein Wein, den ich sonst einfach stehen gelassen hätte, habe ich mit der Schokolade dazu komplett geleert, weil es so lecker war. Von kulinarischer Seite her, kann ich das Tasting auf jeden Fall empfehlen und die beiden waren auch einigermaßen unterhaltsam. Ich habe noch nie jemanden am frühen Nachmittag sich so den Wein hinter die Binde schütten sehen wie unseren Sommelier. Was jedoch wirklich nicht schön war, das war die Umsetzung. Da hätte man sich wirklich mehr Mühe geben können. Das ganze Setting war einfach ungemütlich und lieblos. Wie wäre es zum Beispiel mit Stehtischen oder generell kleinen Gruppen. Dann könnte man sich mit seinen Nachbarn auch besser austauschen. Das wäre auch interessant gewesen. Aber egal, für 15 Euro war es trotzdem in Ordnung.

Das Fazit

Das Festival war auf jeden Fall nett. Die Location und die Aussteller waren einfach großartig. Den Eintrittspreis von 10 Euro finde ich doch deutlich überzogen. Für was eigentlich? Insgesamt gab es nur etwa 30 Aussteller. Sämtliche Workshops, Tastings und sogar die Führung waren nicht im Preis inbegriffen und die angebotenen Vorträge wurden in der Mehrzahl von den Ausstellern gehalten, die ohnehin schon vor Ort waren. Hätten es 5 Euro nicht auch getan? Im Vergleich kostet ein Tagesticket auf der Infa 13,50 Euro. Wenn man großer Schokoladenfan ist, würde sich höchstens das All inclusive Ticket für die vollen drei Tage lohnen mit allen drei Tastings, dem Schokoladen-Workshop und Eintritt für 3 Tage für insgesamt 60 Euro. Das Tasting, das wir besucht haben, war zwar preislich in Ordnung, hatte aber deutliche organisatorische Schwächen. Das würde ich in dieser Form nicht noch einmal machen wollen. Trotzdem kann ich das Festival empfehlen. Einmal kann man das auf jeden Fall gemacht haben. Jetzt gönne ich mir erstmal ein Stück Schokolade.

 

 

von Claudia
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