Kleid Peggy – Ein kleines Nähabenteuer

Das Tolle am Nähen ist ja, das man sich individuelle Kleidungsstücke schaffen kann. Vor einer Weile habe ich mich bei Stick&Style in einen Stoff verliebt: weiße Baumwolle mit kleinen Pfauenfedern. Was für andere Leute Einhörner und Flamingos, sind die mich Pfauenfedern. Ich liebe die Farbeffekte, das Blau, das langsam ins Grün übergeht. Kleine Goldeffekte. So viele Möglichkeiten das zu verarbeiten. Ich hatte auch sofort vor Augen, was ich damit nähen wollte. Ein kurzes Kleid sollte es werden. Vorne und hinten der Stoff und an den Seiten mit einem dunklen Blauton eingerahmt. Das macht dann gleich noch eine schmale Silhouette.

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Auf Makerist bin ich dann auf Schnittmustersuche gleich fündig geworden. Peggy von So! Pattern sah genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und es hat Taschen, Zeig mir eine Frau, die sich nicht über Taschen im Kleid freut. Okay, ein bisschen sehr weit vielleicht, aber dagegen habe ich erstmal nichts. Schnittmuster gekauft und gedruckt, konnte es ans zusammen kleben gehen. Das ist der Teil beim Nähen, der mir am wenigstens Spaß macht. Das Drucken dauert ewig und das Kleben noch viel länger. Dafür hatten meine beiden Kater ziemlich viel Spaß mit den Papierresten.

Ich bekomme es auch selten mal hin, alles perfekt zusammenzukleben. Perfekt ist nicht so meins, das dauert einfach zu lange. Ich will Ergebnisse sehen! Ich sollte wirklich auf die ausgedruckten Versionen umsteigen… Am Ende passt an in den meisten Fällen an mindestens einem Teil nicht so richtig und irgendwas wellt sich. Sieht man auch im Bild bei dem Beleg Vorderteil. Ist das überhaupt ein Problem, keine Ahnung. Ich klebe meine Schnittmuster immer so zusammen, dass ich mit den Reihen anfange und die dann zusammen klebe. Ist das vielleicht eine schlechte Idee, hat da jemand einen Tipp?

Kleid Peggy3

Nachdem ich also einen Abend mit dem Vorbereiten des Schnittmusters verbraucht hatte, konnte ich am nächsten Tag endlich mit dem Nähen anfangen, bzw. erstmal erstmal musste der Stoff zugeschnitten werden. Beim Auflegen der Teile kamen mir das erste Mal Zweifel an dem Schnitt. Wo ist denn da die Taille, das sieht irgendwie ziemlich „sackig“ aus. Also online nochmal Beispiele anschauen. Dieses Mal direkt auf der Seite von So! Pattern. Da gab es dann auch wesentlich mehr Bilder des Kleids und – Mist! – was ich da sehe gefällt mir so gar nicht. Sackig, trifft es tatsächlich ziemlich gut. Tja, die Teile sind zugeschnitten, da lässt sich nichts mehr machen. Egal, fertig und angezogen sieht es dann bestimmt ganz okay aus. Außerdem gibt es ein ausführliches Foto-Tutorial. Das ist doch gar nicht schlecht. Die Anleitung ist dann auch sehr übersichtlich gestaltet und gut zu verstehen, auch für so Leute wie mich, die eigentlich nicht so richtig wissen, was sie machen 🙂 .

Anfangs bin ich noch ganz gut voran gekommen. Belege mit Vlieseline verstärken und verstürzen, Abnäher, kann ich. Die Seitenteile aus Jersey an das Rückenteil nähen war dann schon komplizierter. Jersey und ich sind bisher keine besonders guten Freunde. Irgendwie passen die Größen nicht, obwohl die Schnittteile gleich lang aussehen, wollten sich die Jerseyteile einfach nicht anlegen lassen. Wenn man genau schaut, dann sieht man, dass sich bereits beim Anlegen falten werfen. Als ich versucht habe die Teile so zusammenzunähen, dass oben und unten bündig sind, ergeben sich diese blöde Falten, die man auf dem Bild sehen kann. Wenn ich die Teile so zusammen gesteckt habe, wie der Stoff fällt, hatte ich einfach an den Enden 2 Zentimeter mehr Stoff als da sein sollten. Habe ich zu sehr gezogen? Nochmal neu zusammen stecken. Dieses Mal versuche ich es mit Klammern vielleicht klappt das besser? Auch nicht wirklich. Na egal, ich näh das jetzt mal zusammen, vielleicht löst sich das Problem von alleine?

Kleid Peggy4

Tut es natürlich nicht. Die Probleme gingen dann auch erst richtig los – selbst fabriziert, versteht sich. Im Rückenteil wird oben eine kleine Falte gelegt, damit es schöner fällt. Zu diesem Zweck habe ich das Rückenteil beim Zuschneiden oben zweimal leicht eingeschnitten, um zu markieren, wo die Falte gelegt wird. Und jetzt kann ich diese Knipse nicht finden! Wo sind die denn hin, wie kann das denn bitte sein? Ich bin mir absolut sicher, dass ich den Stoff markiert habe! Und dann fällt es mir auf: Ich habe das Rückenteil falsch herum angenäht. Oben ist unten, unten ist oben. Die Knipse für die Falte, sind also am Saumende gelandet… Wie konnte das denn bitte passieren?! So ein Sch*#§ !!! Ich gehe jetzt erstmal Kaffee trinken. Und ich brauche Kuchen. Kaffee und Frustkuchen!

Eine Gewissensentscheidung ist fällig. Wenn ich jetzt die Nähte schließe, wird das Kleid nicht so aussehen, wie es soll. Außerdem bekomme ich später noch mehr Probleme (das sind keine Herausforderungen mehr…), da ich die Falte nicht gelegt habe, ist das Kleid unten viel weiter, als es eigentlich sein soll. Das wird dann mit dem Saum nicht mehr passen. Andererseits habe ich die Nahtzugaben schon zurück geschnitten, wenn ich jetzt alles wieder auf mache, wird das wieder zusammen nähen, wirklich kein Zuckerschlecken. Außerdem gefällt mir der Schnitt ohnehin nicht und ich bin schon echt weit und dazu noch faul. … Ach, was soll’s, ich mache einfach weiter und schaue mal wie es wird. Habe ich erwähnt, dass ich keine Ahnung habe, was ich mache :-). Bei der Anprobe sieht das Kleid dann auch so aus, wie erwartet – sackig. Von vorne gefällt es mir sehr gut, aber der Rücken ist wirklich eine Katastrophe. Ich bin wirklich unzufrieden. Mein schöner Stoff! Das war bisher ein ziemlich enttäuschendes Nähabenteuer.

Kleid Peggy5
Da ist er, der Knips. Unten links, wobei er doch oben links hingehört 😦

Ein paar Tage später bin ich fest entschlossen das Kleid noch nach meinen Vorstellungen umzugestalten und es so zu „retten“. Nur wie? Abnäher kann ich, vielleicht probiere ich vielleicht mal damit? Was folgt ist ein langer Abend, an dem ich immer wieder neu – und mehr – abstecke. Unten muss ich den Stoff wegen der fehlenden Falte ja sowieso einschlagen. Das wird ein ziemlich langer Abnäher, den ich im Nahtschatten zum Seitenteil nähe, damit hat immerhin schon mal das untere Ende – also der Hintern – mehr Form angenommen. Aber wie bekomme ich das Gebausche im Rücken weg? Ich löse das Ganze durch einen weiteren Abnäher, dieses Mal in Höhe der Hüfte/oberer Rücken, in Halbkreisform, um möglichst viel Stoff wegzunehmen. Das Resultat hat dann nicht mehr viel mit der ursprünglichen Peggy zu tun, hat dafür aber eine richtige Taille. Fehlt nur noch der Saum, der immerhin fast passt. Wenigstens ist es nicht zu kurz, das hätte mir wirklich den Rest gegeben.

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Das fertige Kleid ist nicht unbedingt figurbetont, aber ist wesentlich näher an dem dran, wie ich es mir vorgestellt habe. Was mir an dem Kleid wirklich überhaupt nicht gefällt, ist wie der Ausschnitt fällt, der steht nämlich immer ab, das sieht man auch auf den Fotos von So! Pattern und der Rückenausschnitt sieht so aus, als ob man mit einem Rundrücken durch die Gegend läuft. Den Schnitt werde ich nicht noch einmal nähen, tut mir Leid So! Pattern. Die Anleitung war aber super und ich habe auch schon ein neues Kleid ins Auge gefasst. Das Kleid Hetty sieht ziemlich ausgefallen aus.

Naja, sehen wir es positiv, ich habe viel über Abnäher gelernt und mit dem Resultat bin ich einigermaßen zufrieden. Den Praxistest hat meine Version der Peggy auch schon überstanden – Radfahren lief ohne Probleme.

Kleid Peggy1
Die fertige Peggy, bzw. meine Variante davon. Man beachte die Strumphose im August – Sommer 2017.

Was haltet ihr von meinem Rettungsversuch? Habt ihr auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich bin gespannt!

Kleid Peggy -ANIMATION
Fertig! Der Kater schaut interessiert zu 🙂

 

 

von Claudia

3 Kommentare zu „Kleid Peggy – Ein kleines Nähabenteuer

Gib deinen ab

  1. Hallo, Tip zum abstecken:
    Die Nadeln nicht quer zum Stoff befestigen, sondern längs dazu, quasi neben deine Naht. Kurz bevor du mit den Nahfuss entlanggehst erst entfernen.
    Oder: vorsichtig mit Hand feststeppen und nach der NähMaNaht dann die Fäden wieder lösen.

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