Verwöhnabend im „Jante“

Vor rund einem Monat kam uns eine Idee: „Lass uns doch mal schick Essen gehen“… Und zwar so richtig schick! In Hannover ist die Auswahl da eher überschaubar. Neben dem Clichy fallen in diese Kategorie „so richtig schick“ noch das Handwerk und vielleicht noch eine Hand voll weitere Restaurants. Und natürlich das Jante, für das wir uns schließlich entschieden haben. Warum? Wir fanden es irgendwie beruhigend, vorher zu wissen, was uns aufgetischt werden wird – das war dort der Fall. Ach, und die Webseite war schön 🙂

Das Jante ist in den Räumen eines ehemaligen Toilettenhäuschens untergebracht, was im ersten Moment eigenartiger klingt, als es tatsächlich ist. Davon einmal abgesehen, ist es das einzige Restaurant in Hannover, das sich einen Michelin-Stern an die Tür hängen darf. Der Küchenchef und Sternekoch Tony Hohlfeld verwöhnt die Gäste mit ausgefallenen Menüs in 4- bis 7-Gängen.

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Die Reservierung im Jante kann man bequem online über OpenTable erledigen. Man sollte jedoch mit einem gewissen Vorlauf planen, da man so schnell keinen Tisch ergattern kann – so kann man sich aber wenigstens bis dahin auf etwas freuen. Am Tag der Reservierung wurden wir telefonisch an unsere Reservierung erinnert. Als ob wir sowas vergessen würden, pah! Und dann war es auch schon soweit!

Dort angekommen haben wir uns für das Menü „Eifrig“ in 7 Gängen mit entsprechender Weinbegleitung entschieden. Also die volle Dröhnung! Unser Aperitif fiel allerdings alkoholfrei aus –  die noch kommenden 7 mal 0,1l Wein sind eine ganz schöne Herausforderung. Man merkt sofort, dass alles im Jante darauf ausgerichtet ist, dass man sich dort wohl fühlen kann. An soliden Holztischen und bequemen Sesseln in Pastellfarben herrscht eine angenehm mauschelige Wohnzimmeratmosphäre mit gedämpftem Licht und leiser musikalischer Untermalung, die an Kuschelrock erinnert (gibt es diese CDs eigentlich noch?). Das Jante hat übrigens eine sehr entspannte Besteckpolitik: Es gibt keine Batterie an Gabeln, Löffeln und Messern, mit denen wir Normalsterblichen leider nichts mehr anfangen können. Man muss vor einem Besuch im Jante also nicht erst die Besteckfibel büffeln. Das Besteck wird einfach jederzeit nachgelegt – was weg ist, ist weg. Ein weiterer Grund, warum es dort so gemütlich ist.

Die Einstimmung und die Welt der Weine

An unserem Tisch angekommen, begrüßte uns der Chefkoch und servierte uns zu unserem alkoholfreien Traubensekt ein paar sehr ausgefallene Happen zur Einstimmung (da hatten wir den Rest ja noch nicht gesehen): Kartoffelnester mit Steinpilzen, Gazpacho in Form einer kleinen grünen Tomate sowie Karottencreme in Schokolade in Form eines Steines mit Sauerklee dazu (der Stein war übrigens nicht ganz einfach zu essen 😀 ). Die Leckereien waren sehr liebevoll angerichtet und ein Augenschmaus für sich.

Nebenbei wurden auch gleich die Gläser für die internationale Weinreise, die unser Essen begleiten würde, aufgebaut. Wir kamen uns tatsächlich etwas gierig vor, da unsere komplette vordere Tischkante mit Gläsern bestückt war, da es zu jedem Gang es einen dazu passend ausgewählten Wein gab. Die Weinreise hat uns wirklich sehr begeistert! Jeder einzelne Wein hat „sein“ Gericht unglaublich gut unterstützt. Von einem Weißwein, der unglaublich fruchtig roch – und aus dem Claudia die Nase nicht lassen konnte – über weiß gekelterten Rotwein und gekühlten Sherry hin zu einem fruchtigen Rotwein. Wein so zu erleben hat uns besonders viel Spaß gemacht. Es war wirklich faszinierend zu schmecken, wie sich die Gerichte und der Wein gegenseitig ergänzt haben. Wir können die Weinreise wirklich wärmstens empfehlen 🙂 Auch wenn das Budget durch die Weinreise noch einmal zusätzlich in Anspruch genommen wird, lohnt es sich auf jeden Fall.

Die Stars des Abends

Ein Erlebnis waren auf jeden Fall die kreativ angerichteten Gerichte, die in ihrer Zusammenstellung sehr ausgefallen waren. Die Stars waren Jakobsmuscheln, Kabeljau, ungestopfte geeiste Gänseleber (ja ganz richtig: Lebereis), Ochsenmark (ja genau: Rückenmark) sowie Rehrücken zum dahinschmelzen. Der Kabeljau war großartig und den Rehrücken hätte man sicher auch mit einer Gabel auseinander stupsen können, so zart war er.

Einiges war jedoch auch etwas gewöhnungsbedürftig. Ob wir so schnell noch einmal Rindermark essen, wagen wir zu bezweifeln. Aber in der Kombination mit den dazu angerichteten Zutaten (Waldmeisterwürfel, also Wackelpudding 🙂 ) und dem passenden Wein (war es der Sherry?), war es etwas, das nicht alle Tage auf den Tisch kommt, und darum soll es bei solch einem Menü ja auch gehen. Jeder Teller sah wirklich aus wie ein kleines Kunstwerk – bei dieser Auswahl ist es daher wirklich schwer, einen Gewinner auszuwählen! Als wir den Rehrücken gegessen haben, war es auf jeden Fall am stillsten an unserem Tisch 😉 Übrigens fanden wir auch das verwendete Geschirr wirklich schön. Dieser Glitzerteller war einfach genial!

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Übrigens, für all diejenigen, die Angst haben, dass man bei sowas ja auf gar keinen Fall satt werden kann: das Sauerteigbrot mit der hausgemachten Butter war hervorragend! Und außerdem: der Grad der Sättigung ist nicht ausschlaggebend für den Genuss 😉

Das Beste kommt zum Schluss

Der heimliche Favorit des Abends – jedenfalls stand das für Juliane schon im Vorfeld fest – war natürlich das Dessert! Leider, leider kein Cheesecake, aber irgendwas ist ja immer 😀 Die Vorhut bildeten Apfelstifte auf einem Mus aus Wacholder, beträufelt mit Niemand-Gin. Eingestimmt auf das Süße, das da nun noch kommt, hat uns das toll angerichtete Dessert aus frischen Erdbeeren und Erdbeersorbet mit leicht gesalzenem Kondensmilch-Baiser sowie Lorbeer-Mürbteig-Kügelchen und Lorbeercreme begeistert.

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Nach so vielen Leckereien waren wir hin und weg und haben den Abend mit Cappuccino und einem doppelten Espresso glücklich und gesättigt ausklingen lassen. Dazu gab es kleine Pralinen:  ein Schokoladen-Himbeer-Macaron, Kaffee-Toffee und ein Sauerkirsch-Schaumkuss – Lecker!

Das Fazit

Ein rundum gelungener Abend! Wir werden sicher mit unseren Männern irgendwann noch einmal das Jante besuchen – dann werden es vielleicht keine 7 Gänge werden, aber man kann ja schließlich auch ganz bescheiden für 4 Gänge vorbeikommen.

 

 

von Juliane & Claudia
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